Waren die ersten Leingangs   “ Leinpfadgänger“ ?


Am 16. November 1872 erschien im „Frankfurter Journal“ eine Meldung, wonach durch den Führer eines Treidelzuges, bzw. Leinzuges ein Unfall verursacht wurde. Der Führer des Leinzugs, der „LEINREITER“, fuhr gegen das Gerüst eines Krans.
In der Originalmeldung liest sich das so:
gestern fuhr ein zu berg kommendes schiff in folge der unachtsamkeit des leinreiters wider das gerüst (eines krahnes).“

(Frankf. journ. vom 16. nov. 1872.)
In Band 12 des Deutschen Wörterbuches ( erschienen 1885) haben die Autoren diese Meldung zitiert, um den Begriff oder Beruf des LEINREITERS zu erklären.
Dort findet sich auch eine Definition des LEINPFADES und der Hinweis, daß bereits 1258 der Begriff Leinpfad genutzt wurde.

( Weiteres unter diesem Link!)
Behördliche Grundlagen und Bestimmungen über die Unterhaltung und Nutzung der Leinpfade und die Haftung der Nutzer finden sich im behördlichen Handbuch von Schmädel (1848) unter diesem Link.


Jakob und Wilhelm Grimm (1785 / 1786 bis 1859 / 1863 ) haben nicht nur die deutschen Märchen gesammelt und aufgeschrieben , sondern waren Sprachwissenschaftler, die als Begründer der Germanistik gelten. Sie haben 1838 ein Deutsches Wörterbuch begonnen, das erst 1961 von anderen Autoren fertiggestellt wurde und in dem der Deutsche Wortschatz aufgelistet ist.
In diesem Wörterbuch findet sich unter Buchstabe L der folgende Eintrag, aus dem ich oben zitiert habe:
Leinreiter, m. der die schiffszugpferde regiert. Schm. 1, 1480 Fromm. als wirzburgisch; gestern fuhr ein zu berg kommendes schiff in folge der unachtsamkeit des leinreiters wider das gerüst (eines krahnes). Frankf. journ. vom 16. nov. 1872.

(Quelle: Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. 16 Bde. in 32 Teilbänden. Leipzig 1854-1961. Quellenverzeichnis Leipzig 1971. Online-Version vom 12.05.2020.)

Interessant an diesem Eintrag ist, dass hier ein LEINREITER genannt wird, als derjenige, „ der die Schiffszugpferde regiert“.
In diesem Wörterbuch habe ich zwar den Beriff “ LEINGANG“ nicht gefunden, aber ich frage mich, wenn es einen LEINREITER gab, existierte dann möglicherweise auch ein LEINGANG ? Dieser Name muß allerdings bereits viel früher aufgetreten sein , weil laut dem Buch „Bellheim in Wandel der Zeiten“ von Georg Biundo (Herausgegeben 1930) bereits
1465 im südpfälzischen Bellheim erstmals der Name Leingang als Bellheimer Familienname nachgewiesen wird.

Wie auf der Seite „Das Treideln“ aufgezeigt, waren die Leinpfade südlich von Speyer, also in unserer Rhein-Region, in einem schlechten Zustand. Die Treidler konnten deshalb Streckenweise hier möglicherweise keine Pferde einsetzen, sondern mussten sich über Knüppeldämme und Schlammige Uferpfade stromaufwärts quälen. Vielleicht gab es deshalb hier in unserer Region anfangs keinen LEINREITER, der die Pferdegespanne führte, sondern einen LEINGANG, ( „..gang“ , von „gehen“ ) der das aus Menschen bestehende Treidelteam führte oder Teil des Treidelteams war.


Dies würde auch z.B. erklären, wieso gerade hier, in der Region Bellheim, Rülzheim, Leimersheim, Hördt, Kuhardt, seit Generationen eine Menge “Leingänger “ ansässig sind. Ein ehemaliger Pädagoge aus unserer Region hat mich vor längerer Zeit auf diesen Gedanken gebracht.  Er hat sich hobbymäßig mit Onomastik, also Namenskunde beschäftigt und mir erklärt, daß nach seiner Meinung die Häufung unseres Familiennamens hier entlang des Rheins, südlich von Speyer,  darauf hindeuten würde, daß unsere Vorfahren und Namensgeber sogenannte LEINPFADGÄNGER  gewesen sein könnten.
Es sind viele „ vielleicht“ in diesem Beitrag, es wäre interessant, was evtl. sachkundige Besucher dieser Seite dazu meinen.


Näheres findet sich auf meiner Seite:
2020-neue Fakten: Die ersten Leingangs in der Südpfalz

15. 06. 2020

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